Quasr al-Watan – Der Palast der Nation

Wer Abu Dhabi besucht, kommt nicht umhin, den Palast „ Qasr al-Watan“ zu besuchen. Man betritt eine Welt aus königlicher Pracht . Dieser sogenannte „Palast der Nation“ ist nicht nur ein offizieller Ort, an dem Staatsgäste empfangen werden, sondern auch ein lebendiges Symbol für das Erbe, Selbstverständnis und die Vision der Vereinigten Arabischen Emirate .

Der gewaltige Palast wurde zwischen 2010 und 2017 errichtet und dient heute als offizieller Regierungssitz. Der Unterschied zu dem ikonischen Luxussymbol „Emirates Palace“ (siehe Reisebericht) wird sofort deutlich. 


Das Äußere – Eine architektonische Inszenierung

Das architektonische Konzept des Qasr al-Watan verbindet traditionelle arabische Elemente mit moderner, typisch arabischer Monumentalität: weiße Fassaden, riesige Kuppeln, fein gearbeitete arabische Muster und filigrane Mashrabiya -Strukturen spiegeln die jahrhundertealte Handwerkskunst der Region wider. Der gesamte Gebäudekomplex besteht aus strahlend weißem Granit und Kalkstein, was ihm ein majestätisches Aussehen verleiht.

Die Bauweise vereint traditionelle arabische Architektur mit modernen Einflüssen und setzt dabei auf kunstvolle geometrische Muster, fein gearbeitete Ornamente und dekorative arabische Elemente, die sich über Fassaden, Tore und Fensterbögen ziehen.

Besonders ins Auge fällt die zentrale Kuppel des Palastes, die mit ihren 37 Metern Durchmesser zu den größten ihrer Kunst weltweit zählt. Sie thront in der Mitte des Bauwerks und ist kunstvoll mit goldfarbenen Details geschmückt, die sich harmonisch in das weiß-goldene Farbkonzept des gesamten Gebäudes einfügen.

Die Fassade ist insgesamt rhythmisch gegliedert durch elegante Säulenreihen, symmetrische Bögen und große bronzene Türen, die mit arabischer Kalligrafie verziert sind.


Das Innere – Meisterwerk aus Marmor, Gold und Kristall

Im Folgenden werden die wichtigsten, öffentlich zugänglichen Räume des Palastes kurz beschrieben.

Die Große Halle:  Beim Betreten des Palastes gelangt man zunächst in den sehr weitläufigen Großen Saal , der als Herzstück gilt: Ein zentraler Kuppelraum mit 37 Metern Durchmesser und einer Höhe von bis zu 60 Metern. Die Kuppel ruht über einem Raum von etwa 100 × 100 Metern Größe, verziert mit kunstvollen Ornamenten und geometrischen Marmorelementen.

An den Ecken befinden sich vier Kuben , die dem Besucher interessante Einblicke in Details der architektonischen Gestaltung – eine Kombination aus Arabesken, unterschiedlichen Säulen und Lichtspielen ermöglichen .

An einem markanten Platz, direkt neben dem Großen Saal, steht die faszinierende Kunstinstallation „Power of Words“ von Mattar bin Lahej. Die Skulptur besteht aus dreidimensionalen arabischen Schriftzügen, die ein bedeutungsvolles Zitat von Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan verkörpern: „Reichtum ist weder Geld noch Öl. Reichtum liegt in den Menschen …“.

Dieses Zitat steht allerdings in einem für den westlichen Besucher eher skurill wirkenden Gegensatz zu der überaus opulenten und prunkvollen Umgebung …

Besucher können durch die „menschlichen“ Worte des Scheichs förmlich hindurchgehen, sie aus verschiedenen Perspektiven betrachten und die Verbindung von Sprache, Raum und Licht unmittelbar erleben.

Haus des Wissens: Hierbei handelt es sich um einen besonderen Ausstellungsbereich, der dem intellektuellen und kulturellen Erbe der arabischen Welt gewidmet ist. Es versteht sich als Ort der Reflexion, der Bildung und der Würdigung der Beiträge arabischer Gelehrter zu Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Literatur – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.

Elegante Vitrinen und digitale Displays präsentieren seltene Manuskripte, historische Karten, alte astronomische Geräte sowie wissenschaftliche Instrumente aus der islamischen Goldenen Zeit. Viele der Exponate sind Originale oder hochwertige Reproduktionen von Werken, die einst auch die Entwicklung Europas mitprägten – etwa in Mathematik, Medizin, Alchemie oder Architektur.

Aber auch etwa die weltberühmten „1001 Nacht“-Erzählungen (arabisch: Alf Layla wa Layla ), die eine zentrale Rolle in der arabischen Kultur einnehmen, werden hier präsentiert. Sowohl als literarisches Erbe als auch als Spiegel jahrhundertealter Werte, Weltanschauungen und Erzähltraditionen.

So hat „1001 Nacht“ Generationen von Künstlern, Malern, Musikern und Dichtern inspiriert. Die Charaktere – wie Aladdin, Ali Baba oder Sindbad – sind zu kulturellen Archetypen geworden, die in Theater, Oper, Musik und sogar der modernen Popkultur weiterleben.

Spirit of Collaboration-RaumDieser Raum ist einer der bedeutendsten und symbolträchtigsten Räume des gesamten Komplexes. Er wurde speziell für hochrangige politische Treffen und diplomatische Zusammenkünfte gestaltet – etwa für Sitzungen des Föderalen Obersten Rates der Vereinigten Arabischen Emirate, Gipfeltreffen der Arabischen Liga oder des Golf-Kooperationsrates (GCC).  

Besonders beeindruckend ist der gewaltige Kronleuchter aus über 350.000 Kristallstücken (12 Tonnen Gewicht!). 


Gartenanlage – Würdiger Rahmen für den Palast

Perfekt gepflegte Rasenflächen  ziehen sich entlang der breiten Zufahrten, während Palmenalleen und blühende Ziersträucher klare Sichtachsen auf die strahlend weißen Fassaden der Palastanlage lenken.

Über die großzügigen Wege hinweg öffnen sich immer wieder Blicke auf Wasserbecken und Springbrunnen, deren Spiegelungen die eleganten Kuppeln und Bögen des Palastes inszenieren. Hier im Hintergrund gut zu erkennen: die eleganten Silhouetten der berühmten Etihad Towers (siehe Reisebericht).


„Palace in Motion“ – Ein Fest für die Sinne

Abends nach Sonnenuntergang findet im Garten des Palastes die spektakuläre „Palace in Motion“ Licht- und Tonshow statt. Dabei wird der  Qasr al-Watan in ein leuchtendes Kunstwerk verwandelt: Die prächtige Fassade des Palastes erstrahlt in intensiven Farben, dynamischen Mustern und faszinierenden Projektionen, die perfekt auf die Architektur abgestimmt sind.

Die Show dauert etwa 15 Minuten und ist in drei Akte unterteilt. Im ersten Akt wird die Vergangenheit der Vereinigten Arabischen Emirate erzählt – von den traditionellen Wurzeln in der Wüste bis zur Gründung des modernen Staates durch Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan. Siehe auch Reisebericht Qasr al-Hosn.

Der zweite Akt beleuchtet die Gegenwart des Landes, seine Errungenschaften in den Bereichen Innovation, Bildung und kulturelle Entwicklung. Der dritte Akt blickt optimistisch in die Zukunft , mit Visionen von Fortschritt, Toleranz und globaler Zusammenarbeit.

Das Schauspiel wird akustisch begleitet von Musik, Erzählung und Soundeffekten, die sich mit den visuellen Projektionen zu einem atmosphärischen Gesamterlebnis verbinden. Die überaus beeindruckende Kulisse des Palastes verstärkt die Wirkung und lässt das Gebäude lebendig wirken – so, als würde es seine Geschichte selbst erzählen.

Erleben Sie die Licht- und Tonshow „Palace in Motion“ als eindrucksvollen Abschluss Ihres Palastbesuchs – und sie bietet darüber hinaus ein besonders attraktives Fotomotiv. Die Anleitungen finden Sie in der Regel täglich ab 19:30 Uhr bzw. 20:00 Uhr im 30-Minuten-Takt statt. Es empfiehlt sich, den (nachmittäglichen) Palastbesuch zeitlich auf die Show abzustimmen und die Tickets im Voraus zu reservieren .


Fazit

Ein Besuch des „Qasr al Watan“ hinterlässt zweifellos einen bleibenden Eindruck: Die architektonische Praxis, die opulenten Säle und die harmonischen Gartenanlagen vermitteln ein Gefühl von Erhabenheit und bieten spannende Einblicke in die Kultur und Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate.

Gleichzeitig wirkt die Inszenierung stellenweise sehr monumental, protzig und distanziert. Wer neben praktischen Fotomotiven auch authentische, lebendige Eindrücke sucht, könnte den Palast als etwas kühl und museal empfinden. Dennoch lohnt sich der Besuch, um die architektonische Meisterleistung und die symbolische Strahlkraft dieses modernen Nationalsymbols zu erleben.

Empfehlung: Ein Besuch am Nachmittag lohnt sich besonders, denn so lässt sich am Abend die spektakuläre Licht- und Tonshow „Palace in Motion“ erleben.


© Text & Fotos: Nathalie Gütermann/Jörg Baston