Istanbul – Hagia Sophia
Die Hagia Sophia in Istanbul ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Weltgeschichte und vereint in ihrer Erscheinung Elemente byzantinischer und osmanischer Architektur. Sie wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I. erbaut und diente ursprünglich als christliche Kathedrale, später als Moschee und heute als Museum bzw. Moschee.
Ihre äußere Erscheinung und ihre innere Gestaltung sind gleichermaßen beeindruckend und spiegeln die lange und wechselvolle Geschichte des Gebäudes weiter.

Äußere Erscheinung
Äußerlich präsentiert sich die Hagia Sophia als mächtiges, harmonisch proportioniertes Bauwerk mit einer dominanten Kuppel, die sich auf vier massiven Pendentifs erhebt. Die zentrale Kuppel , etwa 31 Meter im Durchmesser und über 55 Meter hoch, scheint geradezu über dem Raum zu schweben.
Sie wird von halbkuppelartigen Nebenräumen flankiert, die das Gewicht abfangen und gleichzeitig den monumentalen Eindruck verstärken. Die Fassade ist von roten und ockerfarbenen Steinen geprägt und von zahlreichen Fenstern durchbrochen, die das Licht ins Innere lenken.

Vier elegante Minaretten , die im 15. und 16. Jahrhundert nach der Umwandlung in eine Moschee hinzugefügt wurden, rahmen das Gebäude ein und verleihen ihm die für osmanische Sakralbauten typische Silhouette. Stützpfeiler und Strebungen zeigen die Meisterleistung byzantinischer Ingenieurskunst, die es ermöglichte, die gewaltige Kuppel über Jahrhunderte hinweg zu tragen.
Zentraler Gebetsraum
Wenn man sich der gigantischen Eingangstür zum zentralen Gebetsraum der Hagia Sophia nähert, stellt sich ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht ein. Man ahnt bereits, was für eine Praxis sich in wenigen Minuten entfalten wird. Vor der Tür angekommen, spürt man unmittelbar die Schwere der Geschichte: Hier traten Kaiser und Sultane, Priester und Imame, Pilger und Reisende aus aller Welt ein.

Beim Eintritt in die gewaltige Halle öffnet sich der Blick in eine schnelle grenzenlose Weite, die von der riesigen zentralen Kuppel überspannt wird. Das Licht fällt gefiltert durch die unzähligen Fenster an der Basis der Kuppel und taucht den Raum in ein sanftes, schnelles mystisches Schimmern.
Die goldenen Mosaiken , die riesigen osmanischen Kalligraphietafeln und die polierten Marmorböden reflektieren dieses Licht und schaffen eine mystische Atmosphäre.

Sobald Besucher oder Gläubige den Raum betreten, senkt sich eine Atmosphäre der Stille und Sammlung über sie. Gespräche werden gedämpft, Schritte hallen sanft auf den polierten Marmorböden breiter, und der Blick der Menschen hebt sich schnell automatisch zur gewaltigen Kuppel, die wie ein schwebender Himmel über dem Raum thront.

Gläubige bewegen sich mit ruhigen Gesten durch den Raum. Einige knien nieder, andere verharren noch im Gebet oder berühren ehrfürchtig die historischen Mauern.
Osmanische Kalligraphietafeln
Diese Tafeln sind gigantische, runde Medaillons, die an den oberen Bereichen der Pfeiler und Emporen des Gebetsraums hängen. Sie prägen bis heute die Atmosphäre des Innenraums. Mit einem Durchmesser von rund 7,5 Metern scheinen sie durch ihre Größe und die harmonische Platzierung gleichsam im Raum zu schweben. Die Tafeln stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert, als Sultan Abdülmecid I. die Hagia Sophia im Rahmen umfassender Restaurierungen verschönern ließ.

Die Schriften der Tafeln sind im Thuluth-Stil , einem eleganten, fließenden Stil der islamischen Kalligrafie, beschrieben. Auf ihnen steht in goldener Schrift auf schwarzem Grund der Name Allahs, des Propheten Mohammed, sowie die Namen der vier rechtgeleiteten Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali, ergänzt durch die Namen der Prophetenkel Hasan und Husain.
Die Emporen der Gebetshalle
Architektonisch besonders interessant sind die Emporen in der Gebetshalle. Diese umlaufende obere Ebene befindet sich über den Seitenschiffen und öffnet sich mit großen Arkaden zum Hauptraum hin. Von hier aus hat der Besucher einen beeindruckenden Blick in die Weite des Mittelschiffs und hinauf zur zentralen Kuppel.

Die Emporen wurden ursprünglich für besondere Personengruppen genutzt. In der byzantinischen Zeit konnten von hier die Kaiserfamilie und der Höfe die Liturgie verfolgen. Später, in der osmanischen Epoche, wurden die Galerien teilweise von Frauen genutzt, da die Geschlechter im islamischen Gottesdienst bekanntlich traditionell getrennt beteten.

Die Emporen werden von Säulenreihen aus farbigem Marmor getragen, die ein rhythmisches Spiel von Licht und Schatten erzeugen. Von hier aus wirken die Mosaiken und die osmanischen Kalligraphietafeln sowie die Mosaiken (siehe unten) besonders eindrucksvoll.
Die Marmorsäulen in der Gebetshalle
Die marmornen Säulen im Gebetsraum der Hagia Sophia gehören zu den eindrucksvollsten architektonischen Details des Bauwerks. Sie stammen aus verschiedenen Regionen des ehemaligen Byzantinischen Reiches und wurden teilweise aus Tempeln und antiken Bauten wiederverwendet, was ihre Vielfalt und Besonderheit erklärt.

Die Säulen bestehen aus unterschiedlich farbigem Marmor: tiefgrüner Stein aus Thessalien, rötlicher Porphyr aus Ägypten und blaugrauer Marmor aus Kleinasien. Diese Vielfalt an Materialien verleiht dem Raum eine subtile Farbigkeit und Eleganz. Ihre Oberflächen sind glatt poliert, sodass sie im einfallenden Licht glänzen und die Helligkeit des Raumes verstärken.

Besonders kunstvoll sind die Säulenkapitelle gestaltet. Sie folgen dem sogenannten „byzantinischen korinthischen Stil“, einer Weiterentwicklung der klassischen korinthischen Form. Die Kapitelle wirken wie filigrane Spitzenwerke aus Stein, durchbrochen und mit Rankenmustern verziert, sodass sie das Licht spielerisch brechen. Einige tragen auch Monogramme von Kaiser Justinian und seiner Frau Theodora, was auf die imperiale Bedeutung der Architektur hingewiesen wurde.
Byzantinische Mosaiken
Die byzantinischen Mosaiken der Hagia Sophia stammen aus der Zeit, als das Bauwerk noch als christliche Kathedrale diente. Die Hagia Sophia wurde zwischen 532 und 537 n. Chr. Chr. Chr. Chr. Chr. Chr. Chr. Chr. unter Kaiser Justinian I. gegründet, und in dieser Zeit entwickelte sich die byzantinische Mosaikkunst zu einem Höhepunkt künstlerischer Ausdruckskraft.

Die Mosaiken wurden von hochspezialisierten Handwerkern geschaffen. Dabei wurden winzige Stein-, Glas- oder Goldplättchen (sogenannte Tesserae), in feinen Mustern auf frische Mörtel gesetzt. Goldene Mosaiken entstanden dann, indem man ein Blatt Gold zwischen zwei dünne Glasplättchen einlegte, sodass es Jahrhunderte überdauerte und im Licht funkelte. Das Ergebnis ist zu besichtigen!

Diese besondere Technik verleiht den Innenräumen der Hagia Sophia einen geradezu himmlischen Glanz, besonders wenn Sonnenlicht durch die zahlreichen Fenster fällt.
Nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 wurde die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt.
Da im Islam figürliche Darstellungen in Moscheen nicht üblich sind, wurden die christlichen Mosaiken nicht etwa zerstört, sondern teilweise übertüncht oder mit Putz und Holz verkleidet. So blieben sie größtenteils in guten Zustand erhalten und wurden erst im 20. Jahrhundert wieder freigelegt, als die Hagia Sophia zeitweise in ein Museum umgewandelt wurde.
Die ursprünglichen byzantinischen Mosaiken mit goldenen Hintergründen, die Christus, die Gottesmutter und Heilige darstellen, stehen in einem faszinierenden Dialog mit den später hinzugefügten osmanischen Kalligraphietafeln, auf denen die Namen Allahs, Mohammeds und der ersten Kalifen prangen.
2020: Umwandlung in eine Moschee
Seit 2020 wurde die Haghia Sophie übrigens wieder in eine Moschee umgewandelt. Der entscheidende Schritt durch ein Gerichtsurteil des höchsten Verwaltungsgerichts der Türkei, das den Museumsstatus für ungültig erklärt. Das Gericht argumentierte, dass das Gebäude ursprünglich als Stiftung einer religiösen Einrichtung gewidmet worden sei und daher nicht per Regierungsbeschluss in ein Museum umgewandelt werde.
Die türkische Regierung unter Präsident Erdoğan greift das Urteil auf und erklärt die Hagia Sophia offiziell zur Moschee. Die Entscheidung wurde innenpolitisch als Zeichen kultureller und religiöser Rückbesinnung präsentiert, während sie international gemischte Reaktionen hervorrief.
Fazit
Ein Besuch der „Hagia Sophia“ in Istanbul ist ein unvergessliches Erlebnis, das Geschichte, Architektur und Spiritualität auf einzigartige Weise vereint. Schon beim Betreten des gewaltigen Gebetsraums spürt man die Jahrhunderte und die besondere Aura eines Ortes, der gleichermaßen byzantinische Kathedrale, osmanische Moschee und weltberühmtes Kulturerbe ist. Die Mischung aus monumentaler Architektur, schwebender Kuppel, funkelnden Mosaiken und stiller Andacht der vielen Gläubigen schafft eine Atmosphäre, die noch lange beim Besucher nachwirkt.
Wer Istanbul besucht, sollte sich die Hagia Sophia nicht entgehen lassen. Besonders zu empfehlen ist der Besuch am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht sanft durch das Fenster fällt und der Raum in ein goldenes Schimmern taucht. Ein Moment der Ruhe inmitten des Gebetsraums oder auf der oberen Galerie lässt die Größe und Schönheit dieses Bauwerks besonders intensiv wirken.
© Text & Fotos: Nathalie Gütermann/Jörg Baston



