Soganli-Tal
Das Soganli-Tal, ein verborgenes Juwel im Herzen Kappadokiens, liegt etwa 50 km von Göreme entfernt und bietet neben Höhlenkirchen eine ruhige, abgeschiedene Atmosphäre. Diese Kombination aus Kultur und Natur macht das Tal zu einem reizvollen und lohnenswerten Ausflugsziel.
Mit seinen Höhlenkirchen und Hofklöstern aus dem 6. bis 11. Jahrhundert steht es in historischer Bedeutung und landschaftlicher Schönheit den bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Göreme-Freilichtmuseum (siehe Reisebericht) und dem Ihlara-Tal (siehe Reisebericht) in nichts nach, zieht jedoch deutlich weniger Besucher an.

Das Soganli-Tal ist daher ein interessantes Ziel für Reisende, die ein ruhigeres Erlebnis abseits der üblichen Touristenrouten in Kappadokien suchen. Das Tal verdient mit seiner reichen Geschichte und landschaftlichen Schönheit einen ganztägigen Ausflug.

Die in den Fels gehauenen Kirchen und Klöster zeugen von dem frühchristlichen Erbe der Region, während die traditionellen türkischen Dörfer einen authentischen Einblick in die lokale Lebensweise bieten.
Geschichte des Soganli-Tals
Erste Siedlungsspuren reichen bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück, wovon die im Tal entdeckten Grabstätten zeugen. Als der arabische General Battal Gazi, der Sohn des Huseyin Gazi, im 8. Jahrhundert nach seinen Feldzügen gegen die byzantinischen Kappadokien eroberte, blieb dieses abgelegene Tal lange Zeit unentdeckt.

Der Name des Tals entstand dadurch, dass dieser Heerführer dieses Tal „Sonakaldi“ nannte, was sinngemäß „bis zum Schluss blieb“ bedeutet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Name zu „Soganli“.
Bereits früh wurde das abgelegene Tal als Rückzugsort genutzt, später vor allem von frühchristlichen Gemeinschaften, die hier zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert zahlreiche (bemalte) Höhlenkirchen und Wohnhöhlen in den weichen Tuffsteinen vorschlugen.

Während der byzantinischen Zeit entwickelte sich das Tal zu einem religiösen Zentrum, bekannt für seine bemalten Kirchen. Auch in der osmanischen Epoche blieb das Gebiet bewohnt, bevor viele der traditionellen Steinhäuser im 20. Jahrhundert aufgegeben wurden.
Autofahrt durch das malerische Soganli-Tal
Schon zu Beginn der Fahrt fallen die charakteristischen Feenkamine auf, die wie bizarre Türme aus dem weichen Tuffstein ragen und die Landschaft mit ihrer außergewöhnlichen Silhouette prägen.


Die Straße schlängelt sich durch sanfte Hügel und eröffnet beeindruckende Ausblicke auf die von jahrhundertealter Erosion geformte Karge, aber faszinierende Landschaft.

Das Tal selbst wird von den grünen Ufern des Flusses Melendiz Aksu durchzogen, dessen fruchtbare Böden Obstgärten mit Apfel- und Walnussbäumen nähern, die die Straße säumen.

Entlang der Route tauchen immer wieder Höhlenkirchen und Kapellen auf, die in die Felswände gehauen wurden. Einige dieser historischen Stätten sind bequem erreichbar, während andere etwas abseits liegen und nur durch einen kurzen Spaziergang entdeckt werden können.

Felsenkirchen und Höhlenbauten
Das Soğanlı-Tal verwaltet zahlreiche Felsenkirchen und Höhlenbauten, die größtenteils aus der byzantinischen Zeit stammen. Diese Kirchen wurden in den weichen, vulkanischen Tuffstein der kappadokischen Landschaft eingearbeitet und teilweise mit beeindruckenden Fresken verziert, die einen hohen künstlerischen Wert besitzen.

Bisher wurden rund 150 Kirchen entdeckt, von denen jedoch nur noch wenige erhalten sind. Viele wurden verschüttet, durch Vulkanismus oder menschliche Eingriffe zerstört. Einige dienten später auch als Taubenschläge.

Zu den bemerkenswertesten Kirchen im Tal zählen die Yılanlı-Kirche und die Tokalı-Kirche . Diese werden im Folgenden kurz beschrieben.
Yılanlı Kilise (Schlangenkirche)
Unweit des Dorfes Kayseri Soğanlı liegt die tonnengewölbte Yılanlı Kilise , auch Schlangenkirche genannt. Sie wurden in den weichen Tuffstein gehauen und besticht durch ihre besondere Architektur. In einem Seitengebäude der Kirche befinden sich zwei Arkosolgräber, die ebenfalls in den Fels gehauen wurden.

Das folgende Foto zeigt die in den Fels gehauene Kirche. Die Felswände bestehen aus weichem Tuffgestein, in das zahlreiche Höhlen, Gänge, Fensteröffnungen und Kammern eingearbeitet wurden.

Einige Öffnungen sind rechteckig und wirken wie ehemalige Wohn- oder Kirchenräume, andere sind unregelmäßig geformt und eher natürlich entstanden oder später erweitert worden.

Leider sind die einst prachtvollen Fresken, die biblischen Szenen und christliche Motive zeigen, teilweise schwarz übermalt und stark beschädigt.

Auch die übrigen Wandmalereien an den Wänden und Gewölbedecken sind Opfer von Vandalismus geworden. Dennoch vermitteln die leuchtenden Farben einen Eindruck davon, wie beeindruckend die Darstellungen aus dem Neuen Testament einst auf den Besucher gewirkt haben müssen.

Die Maltechnik dieses Freskos wirkt traditionell ikonografisch: frontale Darstellung, ernster Gesichtsausdruck, stilisierte Linienführung. Es vermittelt eine spirituelle, historische Atmosphäre und ist ein schönes Beispiel für religiöse Wandmalerei in frühchristlichen oder byzantinischen Felskirchen.

Tokalı Kilise (Kirche der Schnalle)
Noch vor der Verzweigung des Tals bei Aşağı Soğanlı befindet sich die Tokalı Kilise , auch bekannt als „Kirche der Schnalle“, die nicht mit der gleichnamigen Kirche in Göreme verwechselt werden sollte. Diese Kirche liegt hoch in einer Felswand und ist nur über eine steile, abgenutzte Treppe mit mehr als 50 Stufen erreichbar. Vor der Kirche wurden Grablegen in die Felswand geschlagen.


Im Inneren erstreckt sich eine dreischiffige Kirche, deren Fresken größtenteils zerstört sind.



War den Besucher jedoch versöhnt, ist die ruhige, kaum frequentierte Lage der Kirche und der malerische Ausblick auf die umliegende Berglandschaft und das grüne Tal.

Hier lässt sich die Stille der Natur und die beeindruckende Schönheit Kappadokiens in vollen Zügen genießen. Außerdem – von Overtourism kann hier nicht mal ansatzweise die Rede sein!
Restaurant Kapadokya
Das einzige Restaurant im Tal ist das Kapadokya-Restaurant , das eine kleine Speisenauswahl bietet. Die familiäre Atmosphäre und die malerische Gartenterrasse machen einen Besuch besonders angenehm.


Die Fahrt durch das Soğanlı-Tal führt auch durch das traditionelle Dorf Soğanlı , wo steinerne Gebäude und landwirtschaftliche Felder das Bild prägen. Ein Zwischenstopp in diesem charmanten Dorf bietet Songali-Reisenden die Möglichkeit, die lokalen Lebensweisen der hier lebenden Bewohner etwas näher kennenzulernen.


Nach der ganztägigen Tour durch das Soğanlı-Tal wird man schließlich mit einem spektakulären Panoramablick auf die Region belohnt. Besonders stimmungsvoll ist dieser Anblick gegen Abend, wenn die Sonne bereits tief steht.

Fazit
Ein Besuch des Soganlı-Tals hinterlässt bei dem Besucher einen ruhigen, nachhaltigen Eindruck: Die abgeschiedene Landschaft, die jahrhundertealten bemalten Höhlenkirchen und die authentischen kleinen Dörfer vermitteln ein Gefühl von Ursprünglichkeit, das in Kappadokien mittlerweile eher selten geworden ist. Wer das Tal erkundet, nimmt vor allem die Stille, die Geschichte und die natürliche Schönheit mit – ein Ort, an dem man entschleunigt und gleichzeitig tief in die Kultur der Region eintaucht.
© Text & Fotos: Jörg Baston



