Mekong Bootstour (2): Cai Be, Sa Dec, Can Tho

Bootstour – Teil 2: Es gibt drei charmante Städte, die während einer Mekong-Tour bleibende Einblicke in das Leben entlang des Flusses bieten. Cái Bè, Sa Đéc und Cần-Thơ. Im typisch vietnamesischen Hausboot schipperten wir von einem Ort zum anderen und öffnen hier unser Fotoalbum mit den schönsten Impressionen für Sie…

Eine originelle Bootstour durch das Mekong-Delta ist eine wunderbare Ergänzung zu den üblichen Touristen-Destinationen wie Ho Chi Min (früheres Saigon), Hanoi, Huế oder Hội An. Unsere dreitägige Reise auf einem traditionellen Sampan war eine faszinierende Entdeckung, die uns in eine vollkommen andere, ganz und gar ursprüngliche und authentische Welt katapultierte.

Wie solch’ ein Hausboot von innen aussieht, was zum Angebot gehört und wie man diese außergewöhnliche Exkursion buchen kann, steht hier, in Teil 1 unseres Reiseberichts:

⇒ Mekong Bootstour (1): Sampan-Tour durch Vietnam


Cái Bè

Unser erster Halt während unserer 3-Tages-Bootstour ist Cái Bè in der in der Provinz Tien Giang.  Die Stadt ist etwa 90 Kilometer von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt und ist ein bedeutendes Zentrum für Landwirtschaft und Handel.

Das Herzstück der Stadt ist zweifellos der schwimmende Markt, einer der lebendigsten Märkte im gesamten Mekong-Delta. Dieser ist stellenweise mit den berühmten “Floating Markets” in Thailand zu vergleichen. Auf Longtailbooten oder Lastkähnen präsentieren hier die lokalen Händler ihre frischen Produkte.

Abgesehen von Fischerei und Reisanbau ist Cái Bè für ihre Obstplantagen und den Anbau von Früchten bekannt. Unter anderem werden hier im Mekong-Delta Durian, Mangos, Longans und Litschis angebaut.

Lebensmittel und Getränke wechseln hier lebhaft ihre Besitzer und machen den täglichen Markt zu einer wichtigen Handelsstelle für die umliegenden Dörfer. Sogar Souvenirs kann man hier erstehen.

Interessant ist in diesem Teil der Welt die katholische St. Peter’s Church mit ihrem imposanten Kirchturm und einer Kreuzspitze. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und kann bereits aus der Ferne gesehen werden – auch von unserem Boot aus.

Die Kirche ist im neugotischen Stil erbaut, was in der vietnamesischen katholischen Kirchenarchitektur häufig anzutreffen ist. Sie verfügt über hohe spitzbödige Fenster, gotische Bögen und Türme, die für diesen Baustil charakteristisch sind.

Und weiter geht die Fahrt zum nächsten Ort.


Werkstatt-Besuche

Der Vorteil an einer solchen privaten Fahrt mit dem Sampan-Hausboot ist die Flexibilität. Wenn wir halten wollen, ankern wir an den schönsten Stellen. Auf dem Routenplan des Anbieters stehen außerdem Zwischenstopps bei mehreren lokalen Produktionsstätten.

Sie liegen verstreut entlang des Flusses, wobei es sich hierbei nicht um große Fabriken mit Hunderten von Arbeitern handelt. Vielmehr besuchten wir kleine Familienbetriebe und Ateliers.


Ziegelsteinfabrik

In vielen ländlichen Gemeinden ist die Ziegelproduktion eine wichtige Quelle des Lebensunterhalts.

Das Mekong-Delta verfügt über reiche Tonvorkommen. Traditionell werden die Ziegel in handwerklichen Prozessen hergestellt, wobei der Ton geformt, getrocknet und anschließend gebrannt wird.

Während unseres Zwischenstopps auf dem Mekong bekommen wir Gelegenheit, uns die detaillierte Vorgehensweise bei der Ziegel-Herstellung erklären zu lassen.

Nachdem die Ziegel 2 – 3 Tage in der Sonne getrocknet wurden, werden sie in die Ziegelei gebracht und mit Reishülsen 3 bis 4 Wochen lang erhitzt. 1.500 Ziegel werden in einem solchen Ofen aufeinander gereiht.

Die Ziegel aus dem Mekong-Delta werden für die Bauindustrie in ganz Vietnam produziert. Die wachsende Nachfrage nach Baumaterialien aufgrund von Urbanisierung und Infrastrukturentwicklung hat die Ziegelproduktion zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig gemacht.

Die Verarbeitung von Ton wird auch in lokalen Töpfereien genutzt. Mehrere Ateliers produzieren hübsche Keramik-Produkte für den lokalen Gebrauch.


Kokosnussfarm

Nächster Stop: eine Manufaktur für Kokosnussprodukte.

Hier wird uns erklärt, welche Bedeutung eine Kokospalme hat, wie man fachmännisch eine Kokosnuss öffnet und auch schält. Nämlich auf einer Art Speer, der im Boden steckt. Dann gibt es noch diverse weitere Gerätschaften zum Pressen.

Die Vorteile einer Kokosnuss sind unfassbar vielseitig, denn man kann fast alles aus ihr machen. Nichts wird verschwendet, nichts ist nutzlos. Aus Kokosnussfleisch werden Kokosmilch und Kokosfett zum Kochen, Kokosnussbonbons und Kokosschokolade hergestellt. Man denke nur an Bounty – unseren Lieblingssnack aus Kindertagen (“Alle Köstlichkeiten der Tropen!”). Die fertigen Süßigkeiten dürfen wir schließlich probieren und im angrenzenden Shop natürlich auch kaufen.

Hätten Sie’s gewusst? Aus Kokosnussfasern werden auch Fußmatten und Matratzen produziert. Auch wird damit der Boden für Orchideen-Pflanzungen vorbereitet.

Und die Schale der harten Nuss? Diese wird unter anderem zur Herstellung von hochwertiger Holzkohle sowie hübschen Souvenirs verarbeitet. Zum Beispiel für Lampenschirme, Schalen, Besteck und… für so etwas… (!)


Auf den Wasserstraßen

Und weiter geht’s auf dem Wasserweg in Richtung Sa Đéc. Die Stadt liegt im Südwesten von Ho-Chi-Minh und zählte während der Kolonialzeit zu den größten Städten dieser Region. Doch bis wir sie erreichen, sind wir zunächst noch mehrere Stunden auf dem Mekong unterwegs. Mit uns allein, und dem traumhaften Ambiente des Mekong-Deltas…


Sa Đéc

Die nächste Station unserer Mekong-Tour ist die Stadt Sa Đéc. Bereits während der Anfahrt merkt man, dass dies eine quirlige, aber durchaus charmante Stadt ist. Lassen wir uns überraschen…!

Sa Đéc ist ein Flusshafen und ein landwirtschaftliches sowie industrielles Handelszentrum. Während des Vietnamkrieges befand sich hier eine amerikanische Schnellbootbasis, und während der französischen Kolonialzeit war Sa Đéc ein bedeutender Handelsposten.

Mögen Sie Literatur? Dann wird es Sie vielleicht interessierten, dass Sa Đéc Schauplatz des Romans “Der Liebhaber” von Marguerite Duras ist. Mehr dazu im Absatz über das Huynh Thuy Le Haus.

Die Mischung aus den typischen vietnamesischen Boots- und Uferlandschaften in Kombination mit den noch vielen gut erhaltenen Bauwerken ist ausgesprochen reizvoll. Sa Đéc zeigt noch heute Spuren der französischen Architektur, darunter Kirchen und historische Gebäude.

Unser Sampan legt hier an und wir begeben uns auf einen längeren Landgang, um das traditionelle Leben am Mekong hautnah zu erleben.


Markttreiben

Unser erstes Ziel ist der Markt direkt am Mekong-Fluss.

Dies ist ein quirliger, farbenfroher Ort mit einer großen Vielfalt an Produkten. Allein die renovierte Markthalle im französischen Kolonialstil beeindruckt.

Die Stände sind reichlich mit frischem Obst, Gemüse, Gewürzen und Blumen gefüllt. Die Stadt beherbergt zahlreiche Blumenfarmen und -gärten, die eine breite Palette von Flora produzieren. Der Markt ist täglich geöffnet, beginnend in den frühen Morgenstunden bis zum Nachmittag. Er erstreckt sich entlang der Uferpromenade.

Die Auswahl spiegelt die reiche Agrarkultur der Region wider. In Küstenregionen und Flussgebieten, wie dem Mekong-Delta, ist die Fischerei ein bedeutender Wirtschaftszweig. Er schafft Arbeitsplätze, doch nicht nur das. Fisch ist seit jeher ein fester Bestandteil der lokalen Küche.

Wir sind begeistert von der Fülle an frischem Gemüse aus der Region. Hier kauft auch unser Bootsführer die Zutaten für unser Hausboot ein.

Während unseres Bummels über den Markt entdecken wir Blattgemüse wie Spinat und Pak Choi, Knollen- und Wurzelgemüse wie Rettich und Yams, sowie andere exotische Sorten, die in der Region heimisch sind.

Übrigens haben Einheimische als auch Touristen auf solchen Märkten die Möglichkeit, um Preise zu feilschen. Das gehört in Vietnam wie in vielen anderen südostasiatischen Ländern zur Tradition.

Hier sieht man zum Beispiel Durian-Früchte im Hintergrund, die wegen ihres penetranten Geruchs auch Stinkfrucht genannt werden. Im Vordergrund, mit roter Schale, die Drachenfrucht. Dieses Obst gilt als besonders gesund.

Sorry, liebe Leser, -auch wenn das jetzt nicht gerade appetitlich erscheint, möchten wir doch der Vollständigkeit halber auf eine Besonderheit der vietnamesischen Küche hinweisen: Auch Lebensmittel, die für unseren Geschmack eher ungewöhnlich sind, werden hier angeboten. Zum Beispiel Aale, die noch in einer Aluminiumschale zappeln.

Dazu muss man wissen: Die Vietnamesen lieben ihre Barbecues auf ganz besondere Art. So sind auch Ratten grill- und bratfertig vorbereitet. Doch damit nicht genug! Auch Frösche, Schlangen und Insekten werden auf den Grill geworfen. Teils lebendig, teils tot.

Unser Führer erzählt in diesem Zusammenhang, dass die Ratten aus dem Städtchen Chau Doc besonders zu empfehlen sind. “Es sind die größten und fleischigsten am Mekong. Manche Kenner kommen von weit her, um sie hier zu kaufen”, sagt er.

Nun, mit “Kennern” meint er natürlich nicht westliche Touristen, sondern Vietnamesen, für die solche Nagetiere eine Delikatesse sind. Dazu unser letztes Wort: Andere Länder, andere Sitten!


“Huynh Thuy Le” Haus

Unweit vom Markt liegt ein legendäres Haus in der 255A Nguyen Hue Street.

Das  Huynh Thuy Le Mansion ist eine historische Sehenswürdigkeit und ein gut erhaltenes Beispiel für eine harmonische Kombination aus Ost- und Westarchitektur.

Bekannt geworden ist das Haus durch den berühmten Roman “Der Liebhaber” (“L’Amant”).

In ihrem autobiografischen Werk beschreibt die berühmte französische Schriftstellerin Marquerite Duras  ihre Beziehung zu ihrem chinesischen Liebhaber namens Huynh Thuy Le.

Kurz zum Hintergrund: Das Haus wurde 1895 von einem gut betuchten chienesisch-vietnamesischen Händler namens Huynh Cam Thuan erbaut. 1917 wurde es restauriert und bis zu dessen Tod von der Familie bewohnt. Das Haus ging schließlich an seinen Sohn und Erben Huynh Thuy Le über.

Leider gipfelte die Liebe zu seiner französischen Geliebten in keinem Happy End. Wegen der kulturellen Unterschiede hatte sein Vater ihm nicht erlaubt, Marguerite zu heiraten. Und so kehrte diese mit einem gebrochenen Herzen nach Frankreich zurück und schrieb sich ihr Liebesleid von der Seele. Ihr Werk “Der Liebhaber” gewann den Prix Goncourt, den renommiertesten Literaturpreis Frankreichs. Schließlich begeisterte sich der französische Regisseur Jean Jaques Annaud für den Stoff und verfilmte das Leben der beiden Protagonisten in den Jahren 1990 und 1991. Gedreht wurde an einigen Orte in Vietnam, unter anderem in Saigon, Can Tho und natürlich in Sa Đéc. Das Haus diente dabei als Kulisse für diese romantische Geschichte.

Von Außen und im sehr attraktiven Eingangsbereich sieht das Haus wie eine Villa im französischem Kolonialstil aus, während die Innenräume typisch für die chinesische Architektur sind. Die goldenen Schnitzereien sind grandios und lassen darauf schließen, wie reich die Familie einst war.

Nachdem Huynh Thuy Le 1972 verstorben war, stand das Anwesen viele Jahre leer. 2007 wurde es allerdings nach einer erneuten, umfassenden Renovierung als Museum für die Öffentlichkeit geöffnet und ist seitdem ein beliebtes Touristenziel.

Wir lassen uns Zeit, denn der Bummel durch dieses wunderbare Anwesen mit seinen spektakulären Innenräumen und Arkaden-Gängen ist nach Tagen auf dem Wasseer eine willkommene Abwechslung.


Cao Dai Tempel

Noch gehen wir nicht auf unser Hausboot zurück, denn es stehen noch zwei weitere Attraktionen auf unserem Besichtigungplan. Der Cao Dai-Tempel, direkt am Mekong gelegen, ist der sogenannten Cao Dai-Religion gewidmet. Die Anhänger glauben an die Existenz eines einzigen Gottes, doch er betont auch die Verehrung von Geistern, Heiligen und religiösen Führern aus verschiedenen Glaubensrichtungen.

Hierbei handelt es sich um eine synkretistische Religion, die im frühen 20. Jahrhundert in Süd-Vietnam entstand und Elemente aus verschiedenen Weltreligionen miteinander verbindet. Darunter Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus, Christentum und vietnamesische Spiritualität. Dementsprechend sind die Gebäude sehr farbenfroh und kunstvoll gestaltet.

Überall in den Innenräumen finden sich bunte Fliesen und Verzierungen – höchst ungewöhnlich für einen Tempel in Vientnam. Ähnliches würde man höchstens in Indien erwarten. Zudem weist der Tempel auch sämtliche Elemente auf, die von den oben genannten Weltreligionen inspiriert sind. Die Altäre und Statuen sind mit religiösen Symbolen,  geschmückt, die die Glaubensinhalte der Cao Dai-Religion widerspiegeln.

Der Cao Dai-Tempel ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch eine Touristenattraktion. Besucher bekommen einen Einblick in die einzigartige Synthese verschiedener Glaubensrichtungen, die im Cao Dai-Glauben verschmolzen sind. Wir finden: das ist ein echtes Vorbild für andere Religionen in dieser Welt!


“Meet the locals”

Während unseres Ausflugs nach Sa Đéc haben wir schließlich noch das einzigartige Privileg, im Privathaus von gastfreundlichen Vietnamesen Halt zu machen und einen Einblick in ihr tägliches Leben zu erhalten. Die mehrköpfige Familie wohnt in dieser überaus charmanten Kolonialvilla.

Dieses majestätische Relikt der französischen Kolonialarchitektur liegt am Ufer des Mekong , umgeben von einem üppigen tropischen Garten und mächtigen Ballustraden.

Die Außenwände der Villa tragen zwar unverkennbar die Spuren der Jahre, doch insgesamt versprüht das Gebäude Charme und Eleganz.

Mit einem herzlichen Lächeln und offenen Armen werden wir empfangen.

Auch das ist ein wichtiger Teil unseres Bootsausflugs durch das Mekong-Delta. Dieses “Meet the locals”-Erlebnis ermöglicht uns, tiefere Einblicke in die Kultur und Traditionen Vietnams zu gewinnen.

Einen ganzen Abend lang bekommen wir die Gelegenheit, die Mitglieder der Familie und ihren Alltag kennenzulernen. Wir erfahren von ihrer Herkunft, den täglichen Aktivitäten, ihren lokalen Bräuchen und was die Kinder in der Schule lernen. Ein wahres Vergnügen!

Das Highlight zum Abschluss des Tages: das Candlelight Dinner. Der Duft von köstlichen vietnamesischen Gerichten erfüllt die Luft, als wir gemeinsam Platz nehmen. Hier gibt uns die Hausherrin auch ein paar Einblicke in die Zubereitung der Gerichte. In diesem Ambiente wird definitiv jedes Dinner zu einem Fest der Sinne.

Das Interieur des Hauses und vor allem des Esszimmers ist eine Mischung aus opulenten Kolonialmöbeln und lokalen Kunstwerken. Die hohen Decken und antiken Kronleuchter, die warmes Licht auf die polierten Holzboden werfen, verleihen den Räumen eine aristokratische Atmosphäre. Dieses authentische Erlebnis im Zeichen von kulturellem Austausch und Gastfreundschaft wird uns definitiv unvergesslich bleiben.


Ausflug mit dem Ruderboot

Auch das gehört zu den Besonderheiten, wenn man eine Bootstour durch das Mekong-Delta bucht. Wie schon kurz angesprochen, führt jeder Sampan ein kleineres Ruderboot mit sich, mit dem man die Kanäle abseits des Mekong abfahren kann. 


Diese Beiboote werden wie bei großen Yachten “Tender” genannt. Normalerweise dienen sie dazu, Fracht zu transportieren, zum Beispiel Lebensmittel und Getränke. In diesem Fall befördern sie uns – die Passagiere – über die engen Wasserwege, wo das “Mutterschiff” nicht navigieren kann.

Lautlos gleitet der kleine Kahn über die träge Wasseroberfläche der kleineren Flussarme hinweg. Nur das sanfte Eintauchen des Ruders und das leise Plätschern durchbricht die friedliche Stille – und hin und wieder das Knattern eines herannahenden Motorbootes, auf dem lokale Händler ihre Waren zu den schwimmenden Märkten bringen.

In dieser Ecke der Welt sind wir die meiste Zeit – wenn man von unseren Begleitern absieht – ganz allein auf dieser Welt. “Over Tourism” gibt es hier nicht, wir sind von jeglichen Massen unendlich weit entfernt. Na ja, zumindest von Menschenmassen…! 😉

Die Ufer sind gesäumt vom üppigem Grün der Schilfgräser, die sich im leichten Wind wiegen, und von vielen hängenden Baumzweige, die sich über den Fluss beugen. Manchmal bildet das dichte Blätterdach einen grünen Tunnel, der von der gleißenden Sonne durchbrochen wird und die Landschaft in ein zauberhaftes Licht taucht.

Ein besonders schönes Fotomotiv: diese Bambusbrücke! Ob sich da wohl einer rüber traut…?

Auf der Wasseroberfläche spiegeln sich die Farben des Himmels wider und die Luft ist erfüllt vom Duft süßer Blüten und Pfanzen, die den Kanal säumen. Hin und wieder springt ein Fisch aus dem kühlen Nass und wie wir erfahren, ist die Fischfauna im Mekong-Delta sehr vielfältig.

Aufgrund der vielfältigen aquatischen Lebensräume in dieser Region gibt es tatsächlich eine breite Palette von Fischarten, darunter Pangasius, Karpfen, Buntbarsche und diverse Welsarten. Grundsätzlich ist die Fischerei eine  der wichtigsten Einnahmequellen für die lokale Bevölkerung.

Doch nicht nur das. Die wenigsten wissen, dass speziell diese Region eine Vielzahl von Süßwasser-Früchten und Weichtiere beherbergt, zum Beispiel Schnecken oder Muscheln. Diese werden von den Einheimischen gesammelt und wege ihres hohen Proteingehalts in der traditionellen vietnamesischen Küche verwendet.

Ständig verändert sich die Szenerie; jeder Flussarm offenbart eine neue Facette der malerischen Landschaft. Hier ein kleiner Markt, dort ein paar Fischfarmen und dazwischen ein paar Hütten, die sich mitten in einem Waldstück erheben.

Hier diktiert Gelassenheit das tägliche Leben.

Während dieser seelenruhigen Fahrt auf Mekongs Seitenarmen spürt man die zeitlose Magie dieses faszinierenden Flusses und vergisst jegliche Hektik in der Heimat.


Cần Thơ

Nach einer mehrstündigen Fahrt im Ruderboot geht’s zurück auf unserem Sampan. Cần Thơ heißt unser letztes Ziel auf dieser Bootsreise. Es ist die größte Stadt in der Region und die viertgrößte Stadt Vietnams. Und so verlassen wir langsam die romantischen Seitenkanäle in Richtung Strom.

Ein letztes Mal saugen wir die traumhaft Szenerie in uns auf, die uns der Süden Vientams zum Geschenk macht.

Der Übergang vom gemächlichen Bootsfahren entlang der ruhigen, idyllischen Kanäle des Mekong-Deltas zurück in das geschäftige Treiben einer großen Stadt – das ist schon ein markanter Kontrast. Hier das sanfte Plätschern des Wassers und Vogelgezwitscher in den Palmwipfeln, dort die geschäftigen Atmosphäre eines Verkehrs- und Landwirtschaftszentrum.

Es ist, als würde man zwischen zwei Welten hin- und herwechseln, jede mit ihren eigenen kulturellen Dynamiken, Traditionen und Produktionen. Da  Cần Thơ am Zusammenfluss von mehreren Flüssen und an der Grenze von sechs Provinzen liegt, spielt die Stadt eine Schlüsselrolle im Handel.


Schwimmender Markt

Der Hafen ist ein bedeutender Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Reis, aber auch von Obst und Gemüse.

Der städtische Floating Market ist einer der größten schwimmenden Märkte im Mekong-Delta. Hier einige Impressionen…


Uferpromenade

Die Ninh Kieu Uferpromenade erstreckt sich entlang des Hậu Giang Flusses. Dort finden Besucher mehrere Restaurants, Cafés und Souvenirläden, aber auch einige hübsche Villen und Kolonialgebäude, die Zeugen der historischen Architektur in der Region sind.

Hier ankern auch die traditionellen Holz-Dschunken für Touristen. Besichtigungstouren entlang der Kanäle finden täglich statt. Empfehlenswert ist vor allem die Bootsfahrt durch den “Floating Market” von Cần Thơ, denn so können auch Touristen in die pulsierende Welt des Handels eintauchen. Er ist quasi ein Schaufenster für die lokale Kultur.

Nach drei Tagen und zwei Nächten endet unsere Bootsfahrt auf dem Hausboot. Zum würdigen Abschluss checken wir im Luxushotel Victoria Can Tho Resort ein, das malerisch am Ufer des Hau-Flusses liegt.  Dies ist auch unser Hotel-Tipp im Mekong-Delta.


Unser Fazit

Danach geht’s wieder zurück nach Hoh Chi Minh City – eine Weltmetropole, die ein so fundamental anderes Bild von Vietnam zeichnet, als die Region, die wir hier erlebt haben.

Eine Fahrt auf dem traditionellen Sampan ist nicht nur eine Reise durch malerische Landschaften, sondern sie gibt den Gästen auch die Möglichkeit, Produktionsstätten zu besuchen und die warmherzigen Menschen dieser Region kennenzulernen. Man bekommt also gewissermassen in kurzer Zeit ein “Gesamtpaket” präsentiert, was man bei einem üblichen Städtetrip nicht annäherend erleben kann.

Sicher ist: Der hier beschriebene Kurzurlaub auf dem Wasser hat uns eine einzigartige Perspektive auf das Leben entlang des Mekongs ermöglicht und Erinnerungen geschaffen, die noch lange in uns nachklingen werden.


© Text & Fotos: Jörg Baston. Redaktion: Nathalie Gütermann


Hier geht’s zum 1. Teil unserer Reise: 

⇒ Mekong Bootstour (1): Sampan-Tour durch Vietnam


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